Zwölf Meter ohne Kopf

Gleich nach „Mein Bruder der Vampir“ hatten Autor Matthias Pacht und ich die Schnapsidee einen Low-Budget Piratenfilm mit modernen Dialogen zu machen. Piratenfilme gab es im Grunde seit 50 Jahren nicht mehr und wir waren uns sicher, dass man diesem Genre nur mit Ironie begegnen kann. Außerdem ging es um etwas anderes: Das Piratenschiff als komische Metapher für einen Haufen Jungs, die sich weigern erwachsen zu werden.

Dann ist viel passiert: Emmas Glück wurde ein Erfolg, Fluch der Karibik kam in die Kinos, und Wüste Film Hamburg bzw. Warner Bros Germany gaben uns viel (zu viel) Geld. Mit viel Liebe haben wir dann 2008 einen Film gemacht der womöglich über das ursprüngliche Ziel hinausgeschossen ist.  ST


Vitales Abenteuerkino mit ebenso komischen wie dramatischen Momenten, das die Störtebeker-Legende fabulierfreudig weiter spinnt und als pralle, konflikt- und ereignisreiche Geschichte der Freundschaft von Störtebeker und seinem Bundesgenossen Gödeke Michels erzählt. Eine atmosphärisch dichte Rebellen-Fantasie mit guten Darstellern, Rock’n’Roll-Musik und einem gegenwartsbezogenen Sprachgebrauch, die als fantasievolle Spekulation über Leben, Denken und Wirken einer Hand voll „Halbstarker“ unterhält.

Lexikon des internationalen Films


Hier der französische Trailer (ist einfach viel schöner als der Deutsche):


mit Ronald Zehrfeld, Matthias Schweighöfer, Hinnerk Schönemann, Oliver Bröcker, Devid Striesow,  Franziska Wulf, Jana Pallaske, Alexander Scheer, Milan Peschel, Detlev Buck, u.a.

Regie: Sven Taddicken / Buch: Matthias Pacht
Produktion: Wüste Film / Wüste Film-West / Magnolia Film / Warner Bros. Entertainment


(…) Für diesen Störtebeker ist das Ausrauben fremder Schiffe kein Ausdruck seines Glaubens an die persönliche Freiheit wie bei seinem Kollegen Gödeke Michels. Und auch die Entscheidung, dass jedem der Korsaren der gleiche Anteil am Erbeuteten zukommt, ist hier nicht Ausdruck einer präkommunistischen Haltung der Likedeeler, sondern Rechenproblemen geschuldet.

„12 Meter ohne Kopf“ erzählt eine gleichermaßen moderne wie zeitlose Geschichte. Nämlich die von der Entscheidung, was man tun soll, wenn die Jugend vorbei ist – ob man eine Familie gründet und die Wonnen der Gewöhnlichkeit jenseits der Spießigkeit genießt. Oder ob man weiterhin unvernünftig dem Affen Zucker gibt. Kino-Hauptrollen-Debütant Zehrfeld und Kumpel-Darstellungsmeister Schweighöfer geben diesen Lebensentwürfen glaubhafte Gestalt.

Wie es überhaupt dem Film bis zu seinem überraschenden Ende gelingt, dass man das ganze „Fluch der Karibik“-Gedöns vergisst – und, unterlegt von Johnny Cashs „I See a Darkness“, eine der ergreifendsten Szenen des deutschen Kinojahres zu sehen bekommt.

Josef Engels, DIE WELT


Historisch verbürgte Fakten über Klaus Störtebeker sind bis heute kaum bekannt. Anstelle eines weiteren Versuchs einer biographischen Annäherung wählt Regisseur Sven Taddicken („Emmas Glück“) bewusst den Weg der Entmystifizierung und erzählt in historisch korrektem Umfeld, aber in flappsig-modernen Dialogen die Geschichte eines reflektierenden Menschen mit Konflikten, die in ihm die Sehnsucht nach einem Leben mit Verantwortung wecken. Seinem Hauptdarsteller Ronald Zehrfeld („Der rote Kakadu“, hier in seiner ersten Kino- Hauptrolle) gelingt es durch sein kraftvoll-sensibles Spiel, diese Ambivalenz glaubhaft darzustellen. Matthias Schweighöfer („Der rote Baron“, „Kammerflimmern“) ist in jeder Einstellung anzusehen, dass er großen Spaß an der Rolle eines Piraten hatte.

CINEMA